Meldungen

09.06.2016
Am 14. Juni und 4. Juli 2016 stellt sich die Ballettschule des Hamburg Ballett mit einem vielfätigen Programm "Erste Schritte" auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper vor.

14.03.2016
Frau Cordula Küppers und Herr Delf Dietmar Danckwerts wurden in den Vorstand gewählt. Ein herzlicher Dank geht an Frau Rita Lubinsky für ihr hervorragendes und langjähriges Engagement in der Vorstandsarbeit.

08.05.2014
Anläßlich des Jubiläums der Charlotte-Uhse-Stiftung ist ein Bericht im Hamburger Opern Journal Ausgabe 4.2013/14 auf Seite 19 erschienen, [pdf]

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Tausend und eine Nacht - eine Tänzerin blickt zurück

Interview mit Persephone Samaropoulo, ehemalige erste Solistin des Hamburg Balletts.

Persephone Samaropoulo ist eine beeindruckende Persönlichkeit. 1941 wurde sie als Tochter griechischer Eltern in Ägypten geboren; fünfundzwanzig Jahre später tanzte sie auf den großen Bühnen der Welt. Höhepunkte Ihrer Karriere erlebte sie in den siebziger und achtziger Jahren als erste Solistin am Frankfurt- und Hamburg Ballett, begleitet von mehreren Reisen u.a. nach London, Paris, Warschau und Wien. In diesem Jahr wurde die ehemalige Ballerina 70 Jahre alt. Sie beginnt ihre Amtszeit als Ehrenvorsitzende der Charlotte Uhse – Stiftung. In dem heutigen Interview blickt sie auf ihre Karriere zurück.

Frau Samaropoulo, wie sind Sie zum Ballett gekommen?
In Ägypten war es in den vierziger Jahren üblich für junge Mädchen aus gehobenen gesellschaftlichen Kreisen, zum Ballett zu gehen. Den Balletunterricht begann ich mit dreieinhalb Jahren. Den Unterricht erteilte eine Lehrerin des Palasts, zu der die Prinzen, Prinzessinnen und Paschas geschickt wurden, damit sie lernten, wie man am Hof sitzt und geht. Mit zehn Jahren wurde ich als Talent entdeckt und gefördert, sodass ich mit 18, zusammen mit zwei weiteren Tänzern meine eigene Ballettcompany gründete und regelmäßig im ägyptischen Fernsehen auftrat.
Dann waren Sie also berühmt in ganz jungen Jahren. Ihre Familie muss stolz auf Sie gewesen sein.
Ganz im Gegenteil! Beim Fernsehen zu tanzen, war keineswegs etwas, was die Familie gerne sah. Es ging sogar soweit, dass meine Großtante Feste organisierte, bei der die gesamte High Society Kairos eingeladen war, außer meiner Mutter. Meine Großtante erklärte dies meiner Mutter so: "Bitte sei nicht böse, dass ich dich zu der Feier nicht eingeladen habe. Aber was hätten wir denn über "Phoni" sagen sollen….dass Sie tanzt." Zu dieser Zeit war tanzen im Fernsehen dasselbe, wie heute auf der Reeperbahn im Fenster zu stehen.
Sie haben zu Ihrer aktiven Zeit an vielen verschiedenen Standorten getanzt: Athen, London, Zürich, Frankfurt, Hamburg. Wie und wo begannen Sie Ihre internationale Karriere?
Zwischen 1964 und 1966 besuchte ich für Sommertrainings das Staatstheater in Athen. Dort traf ich auf Giannis Metsis, der mich sehr förderte und eine Mentorenrolle einnahm. Ich wäre gerne in Athen geblieben, wurde aber durch das Bildungsministerium zurückgehalten, da ich die Company in Ägypten leitete. Als Giannis Metsis mir die Rolle als erste Solistin in der Ballettcompany am Staatstheater anbot, hatte ich die Gelegenheit, Ägypten für längere Zeit zu verlassen. In Ägypten gab ich vor, aus gesundheitlichen Gründen Urlaub nach Griechenland nehmen zu wollen. Sie ließen mich gehen und ich kehrte nie wieder zurück.
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Sie tanzten mit Ballettgrößen wie Margot Fonteyn, John Cranko und schließlich John Neumeier. Wie kam es zu dieser Verbindung?
1966 hatte ich die Gelegenheit in England zu trainieren. Während ich meine Übungen machte, bemerkte ich eine exzellente Tänzerin neben mir. Ich drehte mich zu meiner Freundin und fragte "Wer ist sie?". "Das ist Margot" flüsterte meine Freundin mir zu. Ich konnte nicht glauben, dass ich neben der Ikone Margot Fonteyn tanzte und verschwand mit hochrotem Kopf an das hintere Ende des Ballettsaals. Später, im Umkleideraum, kam Margot unverblümt auf mich zu und schlug mir vor, ich solle doch versuchen mit "ihnen" an der Company des Königlichen Balletts zu trainieren. Ich reagierte verhalten. In Ägypten war ein Vorschlag zu "versuchen mit jemandem zu trainieren", eine unterschwellige Kritik am Tanzvermögen des anderen und hieß damit so viel wie "du musst dich noch gehörig anstrengen, damit du oben mittanzen darfst". In diesem Fall hatte das kulturelle Missverständnis einen positiven Ausgang für mich. Am Folgetag wartete sie vor Beginn des Trainings auf mich, sodass ich tatsächlich mit trainieren konnte. In der Folgezeit wurde ich durch Margot motiviert, mich stetig an internationalen Ballettcompanien zu bewerben.
Brachten die vielen Standortwechsel und das internationale Umfeld auch kulturelle Schwierigkeiten mit sich?
In der Regel genoss ich die Reisen und das Zusammensein mit internationalen Tänzern. Es gab aber auch Momente, in denen mir die Mentalitätsunterschiede schwer fielen. 1967 hatte ich zum Beispiel die wundervolle Gelegenheit in Stuttgart bei John Cranko zu tanzen. Es war eine großartige Erfahrung, da ich mit Tänzern wie John Neumeier, Marianne Kruuse und Max Midinet zusammen tanzte. Allerdings war es meine erste wirkliche Erfahrung mit der "nördlichen Mentalität". So bekam ich schreckliches Heimweh und verließ die Company nach einem Jahr wieder.
Aber letztendlich landeten Sie doch wieder im Norden…
Ja, Mitte der siebziger Jahre tanzte ich in Frankfurt als Erste Solistin, dann sieben Jahre (1973-1980) als Erste Solistin am Hamburg Ballett. Nach meiner aktiven Zeit als Tänzerin leitete ich die Ballettschule des Hamburg Balletts John Neumeier 1981-1984 und unterrichtete bis in das Jahr 1993.
Während Ihrer Zeit als aktive Tänzerin lernten Sie Charlotte Uhse kennen und sind heute Ehrenvorsitzende der Charlotte Uhse-Stiftung. Wie kam Ihre Verbindung zu Charlotte Uhse zustande und was bedeutet ihr Engagement in der Stiftung nach Ihrer Karriere für Sie persönlich?
Charlotte Uhse lernte ich nach einer meiner Tanzvorstellungen kennen. Sie sprach zu mir und erklärte mir auf rührende Weise, dass der Anblick dieser tänzerischen Kunst, die sie soeben erleben durfte, sie so sehr berührt habe, dass sie darin einen neuen Sinn ihres Lebens sähe. Von da an äußerte Charlotte Uhse Zeit ihres Lebens eine tiefe Begeisterung für das Ballett, engagierte sich entschlossen für die Tänzer und unterstützte diese finanziell. Auch persönlich verband Charlotte Uhse und mich eine tiefe Freundschaft, die über die belebende und tröstende Kraft des Balletts, die wir beide empfanden, hinaus ging. Durch Ihre Stiftung beeinflusst Charlotte Uhse das Ballett in Hamburg heute noch, da die Stiftung seit zwanzig Jahren die jungen Nachwuchstänzer des Balletts durch Stipendien fördert. Mein Engagement als Ehrenvorsitzende ermöglicht es mir, Teil dieser wunderbaren Unterstützung des Balletts zu sein.